Razzia: Hanf Museum durchsucht!

Veröffentlicht am 8. März 2001
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Berlin, den 7.3.2001

Heute wurde das Hanf Museum im Berliner Nikolaiviertel ab 11.20 Uhr für ca. 2 1/2 Stunden von 15 Polizeibeamten in Zivil und einem Staatsanwalt auf richterlichen Beschluß vom 30.1.2001 durchsucht.

Sie verweigerten den anwesenden MuseumsmitarbeiterInnen während der Durchsuchung mit der fragwürdigen Begründung, „ein Staatsanwalt sei anwesend“, das Recht einen Anwalt anzurufen bzw. einen unabhängigen Zeugen hinzu zu ziehen. Die Anwesenden wurden durchsucht, durften sich während der Durchsuchung kaum bewegen und nicht mal rauchen, da sich die Beamten unsicher waren, was geraucht werden würde.

Beschlagnahmt wurde die Café-Kasse sowie Kleingeldrollen, Kekse und Konfekt mit Hanfsamen der Firma Fress Flash, zwei Bongs und zwei Schweizer Dufthanfkissen aus unserer sogenannten Schweizer Vitrine, in der die Kissen seit vier Jahren ausgestellt wurden. Um an Proben unserer zu Ausstellungszwecken genehmigten Hanfpflanzen zu kommen, verletzten die Beamten diese durch unachtsame Herangehensweise teilweise erheblich. Bei einem Museumsmitarbeiter wurde außerdem ein Joint und eine „Dose mit haschischsuspekter Substanz“ beschlagnahmt.

Bei der näheren Begutachtung der ausgestellten Haschisch-Imitate wurde eine Vitrine beschädigt und eine angemeldete Schulklasse konnte das Hanf Museum nicht besuchen.

Zeitgleich wurde die Wohnung eines Museumsmitarbeiters durchsucht. Auch hier verweigerten die ausführenden Beamten zunächst unter Gewaltanwendung – dem Betroffenen wurden Handschellen angelegt – den Anruf bei einem Anwalt. Als unabhängiger Zeuge wurde der Wohnungsnachbar geholt. Auch hier fanden die Beamten nichts außer einem „angebrannten Joint und einer kleinen Menge grünlicher Substanz“.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft uns vor „einer Vielzahl von Personen in den Räumen des Hanf Museum die Gelegenheit zum Cannabiskonsum zu geben und ggf. mit Cannabis zu handlen, ohne hierzu befugt zu sein.“

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Hanf Museum sind entsetzt, da die Vorwürfe absolut haltlos sind. Im Hanf Museum wurde noch nie Haschisch verkauft !

Manche fragen sich sogar, ob die viel Freizeit und Energie beanspruchende Arbeit überhaupt noch Sinn macht.

Das Hanf Museum wird seit nun mehr sechs Jahren ehrenamtlich betrieben und bildet mittlerweile einen festen und vielfältig gelobten Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft. Bei der letzten Langen Nacht der Museen am 27.1. dieses Jahres besuchten 2.850 Menschen das Hanf Museum. Das Polizeipräsidium Eberswalde war erst am 14.2.2001 hier und nahm eine Führung durch das Museum in Anspruch. Diese Beamten waren übrigens nicht die ersten zahlenden Gäste einer Polizeiinstitution.

Aufgrund der Gemeinnützigkeit des Trägervereins, dem H.A.N.F. e.V., können außerdem SozialhilfeempfängerInnen gemeinützige Arbeit im Hanf Museum leisten. Darüber hinaus sind wir ein fester Bestandteil des Programms „Arbeit statt Strafe“, d.h. das gerichtlich festgelgte Tagessätze hier abgearbeitet werden können. Auch von dieser Seite wurden wir schon oft und gerne gelobt.

Zur Zeit stellen wir uns durchaus die Frage, ob das einzige Hanf Museum in Deutschland überhaupt in der Berliner Kulturlandschaft erwünscht ist und ob wir unter diesen selbstaufopfernden Bedingungen, die mit der Durchsuchung einer Privatwohnung ihren (vorläufigen) Höhepunkt hatte, weitermachen möchten.

Zunächst haben wir beschlossen, den regulären Museumsbetrieb weiter aufrecht zu halten …

Mit freundlichen Grüßen

Hanf Museums Team

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