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Felix Almes: Rausch als Form

Exklusiv zur Langen Nacht 2026 wird die Fassade des Museums temporär zu einer Ausstellung über Kriminalisierung und ihre Folgen

Im Zentrum der Intervention von Felix Almes stehen Fragmente aus der Werkreihe „Rausch
als Form“, die sich mit Rausch, Cannabiskultur und den gesellschaftlichen wie rechtlichen
Bedingungen des Konsums und Anbaus auseinandersetzt. Für das Hanf Museum Berlin werden
Teile der Arbeit aus dem Ausstellungsraum nach außen verlagert: Ausschnitte aus Akten,
Dokumenten und künstlerischen Bearbeitungen erscheinen als temporäre Installation an der
Außenfassade des Museums.
Ausgangspunkt sind unter anderem Gerichts- und Ermittlungsakten zu einer vom Künstler
betriebenen Cannabisplantage. Vernehmungsprotokolle, polizeiliche Fotografien, technische
Zeichnungen, Verzeichnisse beschlagnahmter Gegenstände, Anklageschrift und Urteil bilden
ein persönliches wie institutionelles Archiv. Die Dokumente erzählen von einer Zeit, in der der
Anbau von Cannabis ausschließlich im Kontext von Illegalität, Strafverfolgung und Kontrolle
verhandelt wurde. In der künstlerischen Bearbeitung werden diese Fragmente aus ihrem
ursprünglichen Zusammenhang gelöst und mit Materialien, Bildern und Gegenständen aus
anderen Kontexten verbunden.
Die Arbeit greift damit Almes’ wiederkehrendes Spiel mit Archivästhetiken auf. Dokumente
erscheinen nicht allein als Träger vermeintlich objektiver Informationen, sondern als
Materialien, durch die gesellschaftliche Ordnungen, Zuschreibungen und Machtverhältnisse
sichtbar werden. Das Archiv wird fragmentiert, neu zusammengesetzt und in andere
Zusammenhänge überführt. Auch in seiner installativen Praxis versteht Almes das Archiv als
ein offenes System aus Dokumenten, Objekten, Bildern, Klängen und materiellen
Hinterlassenschaften.
Mit der Präsentation an der Außenfassade des Hanf Museum Berlin verschiebt sich dieses
Archiv erneut: Was ursprünglich Teil einer Ermittlungsakte und damit einer staatlichen
Dokumentation illegalisierten Handelns war, tritt in den öffentlichen Raum. Vor dem
Hintergrund der veränderten rechtlichen und gesellschaftlichen Bewertung von Cannabis
entsteht eine Reibung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen persönlicher
Erfahrung und institutioneller Ordnung sowie zwischen Illegalität und Legalisierung.


Felix Almes, *1984 in Leipzig, lebt und arbeitet in Leipzig
Felix Almes arbeitet medienübergreifend mit Druckgrafik, Malerei, Klang, Performance und
installativen Räumen. Performative Gesten, Formen des Gastgebens, audiovisuelle Noise-
Performances und das Arbeiten mit Archiven und gefundenen Materialien sind wiederkehrende
Elemente seiner künstlerischen Praxis. Seine Arbeiten beschäftigen sich häufig mit
gesellschaftspolitischen Fragestellungen und bewegen sich in einem Spannungsfeld von
Resilienz, Widerständigkeit und Protest.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf unterschiedlichen Formen des Rausches. Dabei
begreift Almes Rausch nicht ausschließlich als substanzgebundenes Phänomen, sondern
untersucht Zustände von Stillstand, ritueller Verlangsamung und zeitlicher Entrückung.
Eskapismus erscheint dabei nicht nur als Flucht, sondern auch als Möglichkeit des
Herausnehmens und der Verweigerung gegenüber alltäglichen Strukturen.
Almes studierte seit 2017 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, zuletzt bei Prof.
Isabel Lewis, und absolvierte dort 2026 seine Diplomprüfung. Er war Mitbegründer und
Vorstand des Ost-Passage Theaters sowie Mitbegründer der Ateliergemeinschaft Kombinat e. V.
in der Leipziger Baumwollspinnerei. 2023 initiierte er Splatters of Noise, ein Format für
wiederkehrende audiovisuelle Live-Streams und Noise-Performances. Seit 2024 ist er zudem
Gründer und zertifizierter Präventionsbeauftragter der staatlich lizenzierten Cannabis-
Anbauvereinigung Rauschende Bäche e. V., in der er ehrenamtlich in der Suchtprävention
tätig ist.

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