Frühgeschichte - Hanf Museum

Frühgeschichte

Frühgeschichte

  • Urzeit
  • Ägypten
  • Skythen

Erste Hinweise auf die kontrollierte Nutzung des Feuers ergeben sich aus Spuren von Asche an Tierknochen. Nahe bei diesen Knochen wurde Steinwerkzeug entdeckt, was auf ein am Feuer zubereitetem Mahl hinweist. Dieses Arrangement wurde in Südafrika gefunden und wird auf ein Alter von knapp 2 Millionen Jahren geschätzt. Demnach hegten und pflegten Menschen das Feuer während etwa 1.470.000 Jahre. Sie gewannen es an Vulkanen, an Lavaströmen. Auch an Blitzeinschlägen oder sonst wie verursachten Bränden. Menschen hegten das Feuer und trugen es auf ihren Wanderungen mit. Je schwieriger es zu bekommen war, desto wertvoller wurde es. Sie gaben es weiter und vielleicht entstanden damit frühe Formen des Handels, bis Menschen lernten, selbst Feuer zu entzünden.

Auch experimentierten Menschen mit dem Feuer und sie erkannten, das Steine hilfreich sind, offenes Feuer einzugrenzen. Steine verhindern das Ausbreiten des Feuers. Zwar werden auch die Steine heiß, trotzdem bilden sie eine Barriere zur offenen Flamme.

Wirft man Blätter oder Kräuter in das Feuer, dann qualmt es, ein dichter, in den Augen beißender Rauch entsteht. Aber legt man Kräuter auf die heißen Steine, die das Feuer umringen, vertrocknen die Kräuter in Sekundenschnelle. Es dampft es nur ganz leicht und es entwickelt sich ein, je nach Kraut, ein fein riechendes Aroma.

Je nach Interpretation alter Hieroglyphen wurden schon im alten Ägypten, vor wahrscheinlich 3500 Jahren, aromatische Kräuter auf erhitzte Steine gelegt, um den dabei entstehenden Dampf zu inhalieren. Ob diese gezielt inhaliert wurden, oder der Dampf dazu diente, die Raumluft zu aromatisieren, ist nicht klar nachweisbar.

Skythen

Konkreter wird es bei Herodot. Dieser beschreibt das Verdampfen von Hanf , als er von den Skythen berichtet.

Die Skythen waren ein nomadisch lebendes Volk bzw. eine Gruppe von Reiternomaden, die vom 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr. die eurasische Steppe beherrschten. Selbst hinterließen sie nichts Schriftliches, so dass ihre bekannte Geschichte auf Funde und Beschreibungen anderer Kulturen beruht. So schreibt Herodot (* 490/480 – † um 430/420 v.u.Z.):

„Wenn sie einen Verstorbenen gewaschen und bestattet haben, vollziehen sie folgendes Ritual: Sie nehmen Hanfsamen und werfen sie auf glühende Steine, die in einer Art Gefäß erhitzt wurden, und schließen sich dann in einem kleinen Zelt ein.“

„Sobald sie den Samen auf die heißen Steine werfen, entwickelt sich ein Rauch und Dampf in solchem Ausmaß, dass kein griechisches Dampfbad damit vergleichbar ist. Die Skythen genießen diese Dämpfe und schreien dabei laut vor Freude.“

Dieses Ritual wurde offensichtlich nicht nur zu Bestattungen gehalten. Die von Herodot beschriebenen Utensilien wurden in vielen Grabhügeln gefunden, die den Skythen zugeschrieben werden. Oft noch mit Resten angekohlter Samen. Diese weisen darauf hin, dass Herodot höchstwahrscheinlich die samenreifen Blütenstände, wenn die Übersetzung ‚Samen‘sagt. Das berauschende Element des Hanfes liegt im Harz, an den Trichomen, die vorrangig an den weiblichen Blüten zu finden sind, welche wiederum sie Samen produzieren. Wirft man also einen Blütenstand auf heisse Steine, verdampfen die Harze und übrig bleiben angesenkte Blütenblätter und Samen. Wenn übrig gebliebene Samen angekohlt waren, deutet das auf sehr große Hitze hin.

Wurde Cannabis im Skythenzelt verdampft, oder ging es in Rauch auf? Wahrscheinlich war es eine Mischform, entstanden aus der Schwierigkeit die erhitzten Steine auf genau die richtige Temperatur zu bringen, und den Wunsch, das Räuchergut möglichst vollständig zu nutzen. Vergleichbar der Benutzung von modernen Verdampfern, die Temperaturen über 220ºC erreichen. Hier sind viele Nutzer geneigt bis Verbrennungstemperaturen aufzuheizen, um möglichst nichts zu verschwenden.

Neben der Cannabis-Nutzung als Rauschmittel beschreibt Herodot auch die Verwendung der Hanffasern:

„Die Skythen besitzen Hanf, der aus Indien eingeführt wird, eine Pflanze, die dem Flachs in nichts nachsteht und diesem sogar sehr ähnlich ist. Aus diesem Hanf fertigen sie Kleidungsstücke, die man vom Leinen kaum unterscheiden kann.“

Forschung im modernen Europa


Evangelista Torricelli (1608–1647)
Evangelista Torricelli (1608–1647)


Im 17. und 18. Jahrhundert begannen Wissenschaftler, das Phänomen des Verdampfens systematisch zu untersuchen. Evangelista Torricelli (1608–1647) erkannte dabei erstmals den Zusammenhang zwischen Luftdruck und Verdampfung. Seine Beobachtungen legten den Grundstein für das Verständnis, dass der Luftdruck Einfluss darauf hat, wie leicht Flüssigkeiten verdampfen.

Robert Boyle (1627–1691) und Edme Mariotte vertieften diese Erkenntnisse, indem sie untersuchten, wie sich Druck und Temperatur auf das Verhalten von Gasen auswirken. Ihre Arbeiten führten zur Formulierung des Boyle-Mariotte-Gesetzes, das den Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases beschreibt.

Ein weiterer wichtiger Beitrag stammt von Joseph Black (1728–1799). Er unterschied erstmals zwischen sensibler Wärme, die eine Temperaturänderung bewirkt, und latenter Wärme, die beispielsweise beim Verdampfen aufgenommen wird, ohne dass sich die Temperatur ändert. Diese Unterscheidung war entscheidend für das Verständnis thermischer Prozesse und legte den Grundstein für die spätere Thermodynamik.

Im 19. Jahrhundert wurde das Verständnis des Verdampfens durch die Entwicklung der Thermodynamik entscheidend erweitert. Wissenschaftler wie Sadi Carnot, Rudolf Clausius und William Thomson (Lord Kelvin) formulierten die grundlegenden thermodynamischen Gesetze, die erstmals ein physikalisch fundiertes Verständnis von Wärme und Energie ermöglichten.


William Thomson, auch Lord Kelvin (1824-1907

In diesem Zusammenhang wurde auch die Verdampfungswärme als jene Energiemenge definiert, die erforderlich ist, um eine Flüssigkeit vollständig in Dampf zu überführen. Darüber hinaus entstanden neue Konzepte wie das Phasendiagramm, das den Zusammenhang zwischen Druck, Temperatur und Aggregatzuständen beschreibt, sowie wichtige Begriffe wie Siedepunkt, Dampfdruck und kritischer Punkt.

Diese theoretischen Fortschritte fanden zugleich praktische Anwendung: Sie bildeten die Grundlage für die Entwicklung der Dampfmaschine, die im 19. Jahrhundert die Industrialisierung vorantrieb, und später auch für den Kühlschrank, der das Prinzip der Verdampfung zur Kälteerzeugung nutzt.

In der modernen Forschung wird das Verdampfen bis in die molekulare Ebene hinein untersucht. Wissenschaftler analysieren heute im Detail, wie einzelne Moleküle die Oberfläche einer Flüssigkeit verlassen und in die Gasphase übertreten. Mithilfe statistischer Modelle lässt sich die Verdampfungsrate präzise beschreiben und vorhersagen.

Diese Erkenntnisse haben weitreichende Anwendungen in verschiedensten Bereichen: In der Nanotechnologie etwa spielt die Kontrolle von Verdampfungsprozessen eine wichtige Rolle bei der Herstellung dünner Schichten und Materialien. In der Klimaforschung hilft das Verständnis des Verdampfens, Wetter- und Klimamodelle zu verbessern, während es in der Raumfahrt für die Entwicklung effizienter Kühlsysteme und Treibstofftechnologien genutzt wird.

Frank William Wood (10.04.1942–22.05.2005), bekannt als Eagle Bill Amato

Neben der wissenschaftlichen Bedeutung hat das Verdampfen auch im Genusskonsum eine neue Dimension erhalten – etwa beim Verdampfen von Aromen, ätherischen Ölen oder E-Liquids, wo das physikalische Prinzip gezielt eingesetzt wird, um Geschmacksstoffe frei zusetzen, ohne sie zu verbrennen.

BereichBedeutung von „vaporisieren“Beispiel
Physik / ChemieStoff geht in den gasförmigen Zustand überWasser → Dampf
TechnikFlüssigkeit wird verdampft, um sie nutzbar zu machenBenzin im Motor
MedizinGewebe wird verdampft / zerstörtLaser-Vaporisation
KonsumWirkstoffe werden erhitzt, ohne zu verbrennenVaporizer für Kräuter