Seite 3 - Hanf Museum

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Skythen

Konkreter wird es bei Herodot. Dieser beschreibt das Verdampfen von Hanf , als er von den Skythen berichtet.

Die Skythen waren ein nomadisch lebendes Volk bzw. eine Gruppe von Reiternomaden, die vom 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr. die eurasische Steppe beherrschten. Selbst hinterließen sie nichts Schriftliches, so dass ihre bekannte Geschichte auf Funde und Beschreibungen anderer Kulturen beruht. So schreibt Herodot (* 490/480 – † um 430/420 v.u.Z.):

„Wenn sie einen Verstorbenen gewaschen und bestattet haben, vollziehen sie folgendes Ritual: Sie nehmen Hanfsamen und werfen sie auf glühende Steine, die in einer Art Gefäß erhitzt wurden, und schließen sich dann in einem kleinen Zelt ein.“

„Sobald sie den Samen auf die heißen Steine werfen, entwickelt sich ein Rauch und Dampf in solchem Ausmaß, dass kein griechisches Dampfbad damit vergleichbar ist. Die Skythen genießen diese Dämpfe und schreien dabei laut vor Freude.“

Dieses Ritual wurde offensichtlich nicht nur zu Bestattungen gehalten. Die von Herodot beschriebenen Utensilien wurden in vielen Grabhügeln gefunden, die den Skythen zugeschrieben werden. Oft noch mit Resten angekohlter Samen. Diese weisen darauf hin, dass Herodot höchstwahrscheinlich die samenreifen Blütenstände, wenn die Übersetzung ‚Samen‘sagt. Das berauschende Element des Hanfes liegt im Harz, an den Trichomen, die vorrangig an den weiblichen Blüten zu finden sind, welche wiederum sie Samen produzieren. Wirft man also einen Blütenstand auf heisse Steine, verdampfen die Harze und übrig bleiben angesenkte Blütenblätter und Samen. Wenn übrig gebliebene Samen angekohlt waren, deutet das auf sehr große Hitze hin.

Wurde Cannabis im Skythenzelt verdampft, oder ging es in Rauch auf? Wahrscheinlich war es eine Mischform, entstanden aus der Schwierigkeit die erhitzten Steine auf genau die richtige Temperatur zu bringen, und den Wunsch, das Räuchergut möglichst vollständig zu nutzen. Vergleichbar der Benutzung von modernen Verdampfern, die Temperaturen über 220ºC erreichen. Hier sind viele Nutzer geneigt bis Verbrennungstemperaturen aufzuheizen, um möglichst nichts zu verschwenden.

Neben der Cannabis-Nutzung als Rauschmittel beschreibt Herodot auch die Verwendung der Hanffasern:

„Die Skythen besitzen Hanf, der aus Indien eingeführt wird, eine Pflanze, die dem Flachs in nichts nachsteht und diesem sogar sehr ähnlich ist. Aus diesem Hanf fertigen sie Kleidungsstücke, die man vom Leinen kaum unterscheiden kann.“

Allgemeine Definition von Vaporisieren

Vaporisieren bedeutet, dass eine Substanz vom flüssigen oder festen Aggregatzustand in den gasförmigen (Dampf-)Zustand übergeht, ohne chemisch verändert zu werden.

Wenn Wasser erhitzt wird, bis es siedet, vaporisiert es zu Wasserdampf.

Vaporisieren aus dem englischen „verdampfen“ ist das thermische Lösen von Inhaltsstoffen aus einem Stoffgemenge unterhalb der Oxidationstemperatur. Es handelt sich also um einen physikalischen Prozess, nicht um eine chemische Reaktion.

Cannabisliebhaber nutzen dieses Prinzip, um die gewünschten Cannabinoide von der tockenen Blüte zu lösen und möglichst ausschließlich diese zu inhalieren. Freunde des Vaporiesierens empfinden das Inhalieren ohne Verbrennungsrückstände als wesentlich weniger gesundheitsschädlich und den Rausch als viel reiner und klarer.

Unterschied: Vaporisieren vs. Verbrennen

MerkmalVaporisierenVerbrennen (Rauchen)
Temperaturca. 150 – 230 °Cca. 600 – 900 °C
Was passiert?Wirkstoffe (z. B. Nikotin, THC, Aromastoffe) verdampfenPflanzenteile oder Papier verbrennen
Entstehende StoffeDampf mit WirkstoffenRauch mit vielen Schadstoffen (z. B. Teer, Kohlenmonoxid)
Geruch / Geschmackmilder, oft aromatischrauchig, schärfer
Rückständekaum, Material wird bräunlichAsche, Ruß

Beim Vaporisieren bleibt also die chemische Struktur der Wirkstoffe weitgehend erhalten, während beim Rauchen viele Stoffe durch Verbrennung zerstört oder in schädliche Nebenprodukte umgewandelt werden.

Technischer bzw. physikalischer Kontext

In der Technik bedeutet „vaporisieren“:

  • Flüssigkeiten verdampfen, um sie z. B. in Brennern, Verdampfern oder E-Zigaretten zu nutzen.
  • Das passiert durch Erhitzen, bis der Dampfdruck der Flüssigkeit dem Umgebungsdruck entspricht.

Beispiel:

In einem Verdampfer wird Benzin vaporisiert, bevor es mit Luft vermischt und im Motor verbrannt wird.

Medizinischer / chirurgischer Kontext

In der Medizin (z. B. bei der Laserchirurgie) heißt „vaporisieren“:

  • Gewebe wird durch starke Hitze verdampft – also durch einen Laserstrahl oder elektrischen Strom so stark erhitzt, dass es sich buchstäblich in Dampf auflöst.
  • Dabei verdampft das Wasser im Gewebe, und das Gewebe wird zerstört oder entfernt.

Beispiel:

Bei der Prostata-Vaporisation wird überschüssiges Prostatagewebe mit einem Laser verdampft.

Zur Wirkstoffaufnahme wird das Vaporisieren auch im medizinischen Bereich mehr und mehr anerkannt. In diesem Kontext spricht man von Phytoinhalation.

Die Phytoinhalation ist in der Medizin ein noch sehr junger Bereich, der weiterhin großen Forschungsbedarf mit sich bringt. Wie ist die Verträglichkeit im Vergleich zum Spritzen oder Pillenschlucken, welche Substanzen lassen sich durch Vaporisation inhalieren, wie ist die genaue Dosierung mit dieser Aplikationsform und wie ist diese zu erreichen…? Erste Antworten lassen verschiedentlich auf sehr positive Anwendungsmöglichkeiten schließen.

Wie auch im Konsumkontext werden Wirkstoffe physikalisch mit warmer Luft gelöst, um dann inhaliert zu werden – also eine Wirkstoffaufnahme über die Lunge.

Alltagssprachlich / Konsumkontext

In der E-Zigaretten- oder Cannabis-Kultur meint „vaporisieren“:

  • Eine Substanz (z. B. Liquid, Kräuter, Harz) wird erhitzt, ohne sie zu verbrennen, sodass nur die wirksamen Stoffe verdampfen, aber keine Verbrennungsprodukte entstehen.
  • Das ist also schonendes Erhitzen, nicht Verbrennen.

Beispiel:

Ein Vaporizer erhitzt Cannabis auf etwa 180 °C, sodass THC verdampft, aber kein Rauch entsteht.

BereichBedeutung von „vaporisieren“Beispiel
Physik / ChemieStoff geht in den gasförmigen Zustand überWasser → Dampf
TechnikFlüssigkeit wird verdampft, um sie nutzbar zu machenBenzin im Motor
MedizinGewebe wird verdampft / zerstörtLaser-Vaporisation
KonsumWirkstoffe werden erhitzt, ohne zu verbrennenVaporizer für Kräuter